Sieben Liebeserklärungen ans Älterwerden lesen Sie in dieser besonderen Serie zu Fastenzeit. Der Autor, Arnold Mittnitzer, erinnert sich an viele Begegnungen.
Arnold Mettnitzer, erfahrener Seelsorger und Psychotherapeut, schreibt in der Kirchenzeitung eine FASTENSERIE zum Thema: "Liebeserklärungen ans Älterwerden". Wie Begegnungen die Zeit veredeln.
Serie 6 von 7:
Die Liebe kam aus dem Lautsprecher!
„Da findet man einen Menschen
der ein Mensch ist
ein Mensch bleibt
und die Menschen für Menschen hält
weil er ein Mensch ist
Unfassbar so ein Mensch“
Susanne Hennemann beschreibt in diesem Gedicht, was Menschen in ihrer tiefsten Seele von anderen Menschen erwarten. Nichts anderes, als von ihnen als Mensch wahr- und ernstgenommen zu werden. Und nichts kränkt sie mehr als die Erfahrung, von anderen links liegengelassen und „nicht einmal ignoriert“ zu werden. Nie zuvor ist mir der Inhalt dieses Gedichtes deutlicher vor Augen geführt worden als am Abend des 2. März 2013 im Kongresshaus in Villach. Der Grenzlandchor Arnoldstein hatte damals aus Anlass des 90. Geburtstags seiner Gründerin Gretl Komposch († 2019), der legendären Komponistin und Chorleiterin, ein Festkonzert ausgerichtet. Und Stefan Marko, der Obmann des Chores, verlas dabei Grußbotschaften aus aller Welt. Eine davon kam aus Montgomery im amerikanischen Bundesstaat Alabama. Ihr Verfasser war der Psychologe Dr. Otto Arnoscht, der in den USA lebt und sich seit seinem 10. Lebensjahr mit dem Grenzlandchor aufs Engste verbunden weiß. In seinerE-Mail an den Chor erzählte er vom Oktober 1957, in dem er als Zehnjähriger an einem dunklen, kalten Abend allein durch die Innere Stadt von Wien geirrt wäre, einzig und allein mit dem Ziel, „unter allen Um-ständen so spät wie möglich nach Hause zu gehen“. In seiner zerrütteten Familie hätte es täglich Streit, Hass-tiraden, Angst und monatlich wiederholte Selbstmord-versuche seiner alleinerziehenden Mutter gegeben. Jahre zuvor schon wäre sein Vater aus dem Leben der Familie verschwunden und die Mutter mit ihrem einzigen Sohn Otto zu ihrem Vater gezogen. Der aber, „ein schrecklicher, alkoholkranker Choleriker“, wäre für ein Enkelkind alles andere als ein liebevoller Groß-vater gewesen. Auch bei anderen Verwandten, von der Nachbarschaft erst gar nicht zu reden, hätte es für den kleinen Otto keinen Platz gegeben, an dem er sich willkommen, geschweige denn zu Hause hätte fühlen können. Und die Schule? Ein Ort, der Leiden schafft! Kein Ort der Leidenschaft. Und Otto selbst, "einer der schlechtesten und schwierigsten Fälle für die Behörden“, im Alter von zehn Jahren bereits „hoffnungslos und einsam wie ein alter Alkoholiker“.
ALS HÄTTEN ENGEL FÜR IHN ALLEIN GESUNGEN
An diesem kalten Abend aber, im Oktober 1957, wäre er plötzlich ...
Mehr dazu dann in der für OÖSB-Mitglieder KOSTENLOSEN Serie!