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Eine Jugenderinnerung: Ich knie vor dem Fernseher, die Hände gefaltet und bete. Sehr fromm müsste ich gewirkt haben, wenn man von außen auf diese Szene im Wohnzimmer geschaut hätte. Doch die Anlässe für das alles waren nicht Fernsehgottesdienste, sondern die alpinen Ski-Weltmeisterschaften der Neunziger, bei der Athlet:innen wie Renate Götschl oder Hermann Maier um Gold kämpften (bekanntlich mit großem Erfolg). Wenn in diesen Tagen wieder eine Ski-WM am Programm ist, wundert es mich selbst, wie sehr mich das WM-Fieber packt – nur das mit dem Hinknien mache ich heute dann doch nicht mehr.
Natürlich ist meine Ski-Begeisterung damals wie heute mit einer ordentlichen Portion Nationalismus verbunden. Bei dem wir Österreicherinnen und Österreicher – nicht nur aber eben gerade auch – beim Skifahren gefährdet sind, es maßlos zu übertreiben. Nicht zu vergessen die Gefahr der rechten Parteien, die den Begriff der Nation missbrauchen, um andere auszugrenzen.
Dennoch verstehe ich den kompletten Abgesang auf nationalen Skistolz nicht ganz, wie ich ihn in manchen Internetforen lese. Patriotismus im Sport kann verschiedene Milieus und Schichten miteinander verbinden und so ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen. Und das Ländermatch Schweiz – Österreich gibt dem Skisport sowieso erst die gewisse Würze.
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