Es ist günstig, man kann die Umwelt schützen und sie finden immer ausgefallene Sachen: Katja Kloimstein und Maria Hüttel wissen sofort drei gute Gründe, warum sie SecondhandShops „normalen“ Geschäften vorziehen.
Die beiden 27-Jährigen lieben die Überraschungen, die sie beim Secondhand-Einkaufen erleben: „Wenn wir zu einem H&M gehen, wissen wir ungefähr, welche Mode uns erwartet. Im Secondhand-Shop finden wir hingegen immer lustige Dinge, nach denen wir gar nicht gesucht haben.“ Ähnliche Erfahrungen kennt auch Natalia Vayda (23): „Wenn ich in normalen Geschäften einkaufe, haben so viele andere das Gleiche. Wenn ich aber gebrauchte Sachen kaufe, habe ich etwas Exklusives, das außer mir niemand hat.“ Für die Musikstudentin spielt der Preis eine große Rolle. Immer wieder ist sie fasziniert, wie billig Secondhand-Waren verkauft werden, die sie sich wegen der guten Qualität neu im Geschäft nie leisten könnte. Kein Kaufzwang. Auf der Suche nach Secondhand-Shops stößt man auf völlig unterschiedliche Geschäfte. Es gibt z.B. Fundgruben wie den Secondhand-Laden „Carla“ der Caritas. Obwohl der Grundgedanke war, eine Einkaufsmöglichkeit für Hilfsbedürftige zu schaffen, besuchen mittlerweile „alle möglichen Leute, von Kindern bis Senioren“ gerne das Geschäft, berichtet Verkäuferin Angelika Reisinger. Das Besondere am Carla-Laden ist die familiäre Atmosphäre ohne Kaufzwang. „Viele Leute kommen nur zum Plaudern vorbei. Für uns ist das Teil der Arbeit: Wir wollen ins Gespräch kommen und den Menschen zuhören“, erzählt Angelika Reisinger. Exklusive Boutique. Ganz anders als die „Carla“ ist die Secondhand-Boutique „2nd Ave-nue“, die ausschließlich Markenkleidung verkauft. Besitzerin Anneliese Haider hat sich mit dem Geschäft einen Traum verwirklicht: „Ich kann durch mein Geschäft wunderschöne Mode weitergeben – so kann dasselbe Kleidungsstück gleich zweimal jemandem eine Freude bereiten.“ Kunden gibt es bei „2nd Avenue“ quer durch alle Schichten, Jugendliche kommen allerdings eher selten: „Sie werden zu sehr von den Billigschienen angezogen. Dort sind die Sachen zwar günstig, aber dafür wird so viel gekauft, dass sie im Endeffekt kein Geld sparen.“ Statt Quantität setzt Anneliese Haider lieber auf Qualität, da man „mit dem kurzlebigen, schnellen Kaufen nicht befriedigt wird.“ Auch wenn „Carla“ und „2nd Avenue“ auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, gibt es doch einiges, was sie als SecondhandShops verbindet: der bewusstere Umgang mit Ressourcen durch die Wiederverwendung, das Aussteigen aus Kaufzwang und -sucht und nicht zuletzt die Freude am Außergewöhnlichen und Besonderen.