Türen zuknallen, provozieren durch grün-rote Haare, kecke Antworten – das kann nur die Pubertät der Kinder sein.
Als die evangelische Stadtdiakonie Linz vor zwei Jahren erstmals mit einer Gesprächsgruppe für Eltern pubertierender Jugendlicher begann, stieß dies gleich auf großes Interesse. „Der Bedarf ist hoch. Wir sind damit in einen wichtigen Nischenbereich gestoßen!“, erzählt die Dipl. Sozialarbeiterin und Stadt-Diakonie-Geschäftsführerin Ulrike Siber.
Vielleicht lag es auch am phantasievoll-professionellen Namen PUB, den Ulrike Siber für das neue Angebot kreierte. Die Abkürzung PUB steht für Selbsthilfegruppe für Eltern PUBertierender Jugendlicher. PUB kann helfen, dass aufkeimende Probleme nicht eskalieren. Menschen, bei denen vieles falsch gelaufen ist, erlebt Ulrike Siber im stark frequentierten O(f)fenstüberl der Stadtdiakonie: Hier werden sozial isolierte Leute betreut, die irgendwann gestrauchelt sind und sich nicht mehr erfangen haben, vielleicht weil sie keine Eltern hatten, die sich um sie sorgten und immer wieder das Gespräch suchten. Im PUB treffen sich Väter und Mütter aller Konfessionen und aus allen Landesteilen, nicht nur aus der näheren Umgebung. Demnächst beginnt man wieder mit einer Gesprächsgruppe, die zahlenmäßig beschränkt ist, damit jede/r zu Wort kommen kann.
Der Erfahrung nach kommen mehr Mütter als Väter, es kommen aber auch Paare. Die Selbsthilfegruppe steht unter professioneller Leitung der Wienerin Erica Riener, einer Sozialarbeiterin und Supervisorin. Sie unterstützt den Erfahrungsaustausch und hilft beim Entwickeln von Bewältigungsstrategien.
Nach einer anfänglich offenen Gruppe finden die Gespräche ab dem zweiten Abend im vertraulichen Schonraum statt. Nicht immer kommen nur harmlose Reibereien wie langes Fortgehen und Unordnung auf den Tisch, sondern auch Suchtprobleme und Kriminalität.
In falschen Kreisen
Wenn Kinder aus gutem Hause in falsche Kreise geraten, sind Eltern meist machtlos. „Plötzlich stand die Polizei vor der Tür! Wir sind aus allen Wolken gefallen!“, sind manche Eltern verzweifelt und hilflos. „Da sind unsere Probleme vergleichsweise klein!“, geht manche/r erleichtert heim. Einige Probleme fallen in den therapeutischen Bereich, z. B. wenn sich ein junger Mensch daheim verkriecht und jeden Außenkontakt verweigert.
Bei schwierigen Fällen wurde schon oft erfolgreich der Kontakt zur Ehe- und Familienberatung der Diözese hergestellt. Es besteht eine gute Zusammenarbeit. Erfreulicherweise können durch PUB aber die Eltern ein Problem zumeist aus eigener Kraft lösen.
Zur Sache:
Wunschkind
Ich wollte ein Wunschkind haben, zum Herzeigen, zum Vorzeigen, ein Kind, mit dem man sich sehen lassen kann. Bis zum Erwachsenwerden und darüber hinaus. Mit Arbeitsplatz, lachendem Gesicht, liebevollem Freund . . . Dabei lebt es jetzt, das Wunschkind, von der Sozialhilfe, ohne Arbeitsplatz, ohne liebevollen Freund . . . Gott sei Dank lacht es noch, Gott sei Dank sucht es den Weg nach Hause . . . manchmal. Gott sei Dank habe ich durch das Wunschkind zu Gott gefunden. Es gibt Zeiten, in denen ich mich geniere, wenn die Kinder der anderen so funktionieren . . . Dann fühle ich mich aufgefordert, JA zu sagen zu meinem Wunschkind.