Martina Reiter war Schauspielerin, dann Krankenschwester. Jetzt ist sie Religionslehrerin und Jugendleiterin. Sie erzählt, wie sie zur Seelsorgerin wurde. Zwölf weitere Frauen und Männer haben sich auch dafür entschieden. Am kommenden Sonntag, 28. September werden sie die Sendung für ihren Dienst erhalten.
Einen beruflichen Umstieg hatte Martina Reiter schon hinter sich. Schauspielerin war sie gewesen. Mit 29 Jahren sattelte sie um und wurde Krankenschwester. Eine zweite Heimat hatte sie auch bereits: Aus Deutschland war sie im Jahr 1997, schwanger zur zweiten Tochter, mit ihrem Mann nach Frankenburg gezogen. Wichtig war ihr, dass die Kinder in der Pfarre eine gute Heimat finden würden, also meldete sie sich gleich bei Pfarrer Josef Sallaberger. Die Pfarre mit ihren Angeboten für Kinder hat sie begeistert. Bald engagierte sich Martina Reiter selbst und übernahm eine Spielgruppe. Und sie merkte: Ich kann Kinder gut ansprechen, ja begeistern.
Wie im Nebel
Dann im Jahr 2006: die Katastrophe. Zwei Bandscheibenvorfälle kurz nacheinander machten ihr klar: Krankenschwester, das geht nicht mehr. Und was jetzt? Gott im Leben – das hat sie immer schon gespürt. Damals schon, als Vater und Mutter früh starben. Mitten im Nebel der beruflichen Katastrophe zeichnete sich ein neuer Weg ab: Warum nicht meine Berufung, mit Kindern zu arbeiten, zum Beruf machen? Also begann Martina Reiter erneut eine Ausbildung, nämlich zur Religionslehrerin und Jugendleiterin. „Sie ist eine Quereinsteigerin mit Ideen, Elan und Geist“, charakterisiert Brigitte Gruber-Aichberger – die Direktorin für die Pastoralen Berufe in der Diözese Linz – „ihre“ neue Mitarbeiterin.
Nicht allein
„Ich bin nicht alleine.“ Dieses „Geheimnis“ des Glaubens, das hängt für Martina vielleicht auch mit einem „Familiengeheimnis“ zusammen. Erst spät hat sie erfahren, dass ihre Großmutter jüdische Wurzeln hatte. Sie hatte damals auf der Flucht die Papiere verloren. Der Großvater war evangelisch. Durch die Heirat hat er sie mit der neuen evangelischen Identität gerettet. Mit ihrem Engagement in der Pfarre Frankenburg entschied sich Martina, in die katholische Kirche zu konvertieren. So leben die Reiters ökumenisch als gemischt-konfessionelle Familie. Gott ist auf vielen Wegen zu erspüren, ist sie überzeugt. Heute wohnt die Familie in Zipf, und auch dort ist Martina Reiter in der Pfarre eine vielbeschäftigte Frau. „Kinder sind ja nicht nur die Zukunft der Kirche, sie sind unsere Zukunft überhaupt“, gewinnt Martina Reiter ihrem Aufgabenfeld als Jugendleiterin im Dekanat Frankenmarkt viel Sinn ab. Dass sie Krankenschwester gewesen ist, war auch nicht umsonst. Da hat sie Zuwendung gelernt: „In einem Pflegeberuf gehst du nicht mit vielen Taschen hin, sondern du musst schauen, was einem Menschen fehlt – und wie du ihn vielleicht unterstützen kannst. In der Seelsorge“, meint sie, „ist es nicht anders.“ Von ihrem früheren Beruf als Schauspielerin nimmt sie das Talent, Kinder zu begeistern, in den neuen Beruf mit. Als Religionslehrerin an der Neuen Mittelschule in Vöcklamarkt und als Jugendleiterin im Dekanat Frankenmarkt wird sie dieses Talent entfalten können. Ohne ihre erste Heimatpfarre in Oberösterreich, Frankenburg, und ohne die Unterstützung durch die Diözese beim Berufsumstieg hätte sich ihr Weg nicht aufgetan, spürt sie jetzt – vor der offiziellen Sendungsfeier durch den Bischof – vor allem eines: Dankbarkeit. Sendungsfeier: Am kommenden Sonntag, 28. September, 18.15 Uhr findet die Segnungsfeier mit Bischof Ludwig Schwarz im Linzer Mariendom statt.
Großer Bedarf bei Seelsorge-Berufen
322 Frauen und Männer arbeiten derzeit in den pastoralen Laien-Berufen in der Diözese Linz, zwei Drittel davon tun dies in Teilanstellungen. Wie die Direktorin der Abteilung Pastorale Berufe Brigitte Gruber-Aichberger betont, besteht ein großer Bedarf. So konnten zwei Pfarrassistenten- und vier Pastoralassistentenstellen für das kommende Jahr nur mit einer provisorischen Lösung geregelt werden. Verschärft wird die Situation, weil nun zunehmend mehr Laienseelsorger/innen in das Pensionsalter kommen. Um pastorale Berufe langfristig attraktiv zu machen, sollen die verschiedenen Lebensphasen künftig stark berücksichtigt werden. Der Umstieg etwa von der Jugendarbeit zu einer Pastoralassistentenstelle oder in ein anderes Seelsorgefeld wie die Krankenhauspastoral, Gefängnisseelsorge oder Betriebsseelsorge soll erleichtert werden. Sehr gute Erfahrung gibt es mit „Quereinsteiger/innen“, die etwa mit 35 ode 40 Jahren in einen kirchlichen Beruf wechseln. Sie bringen wertvolle Erfahrungen aus anderen Berufen mit und sind oft hoch motiviert. Die berufsbegleitende Ausbildung ist derzeit für diese Gruppe in St. Pölten angesiedelt.